Was ist ein Trauma?
Die Psychologin Michaela Huber unterscheidet ein belastendes Lebensereignis von einem Trauma. Erst Ereignisse, die so viel Stress auslösen, dass sie das Gehirn in eine Art von „Klemme“ bzw. nach Huber „Traumatische Zange“ (M. Huber, Trauma und die Folgen, 2003, Seite 39) bringen, sind ausschlaggebend für ein Trauma.
Erfährt das Gehirn eine Bedrohung, wird es bei seiner Informationsverarbeitung durch äußere Eindrücke derartig überflutet, dass die Betroffenen Vernichtungsgefühle erleiden. Sie sind überzeugt, in diesem Moment sterben zu müssen. Der Organismus reagiert daraufhin mit dem Bedürfnis entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Kann der Betroffene aber weder kämpfen noch fliehen, setzt der so genannte Abwehrmechanismus „freeze“ (Englisch: to freeze = einfrieren) und „fragment“ ein. Im Zuge dieses Stadiums ist die Situation für den Betroffenen nicht mehr nur ein belastendes Ereignis, sondern ein Trauma. Der Organismus versucht, sich innerlich aus dem Geschehen zu ziehen, indem er sich distanziert. Dabei werden Endorphine ausgeschüttet, die Schmerzen betäuben und ein Wegtreten erlauben. Es entsteht ein Tunnelblick. Huber bezeichnet diesen Zustand zusammenfassend als „Entfremdung vom Geschehen“ (M. Huber, Trauma und die Folgen, 2003, Seite 43). Desweiteren wird das Erlebnis fragmentiert und damit nicht mehr als zusammenhängend wahrgenommen. Ein Trauma besteht demnach aus der Trias von erstens überflutender Angst (eine Art von Schock mit einem Es-Ist-Aus-Gefühl, einer Todesnaheerfahrung), zweitens von dem Gefühl ausgeliefert zu sein (nicht fliehen können) und drittens der Ohnmacht (nicht dagegen ankämpfen können).


