Kann es eine Christliche Psychologie überhaupt geben?
Für viele Wissenschaftler ist Psychologie eindeutig und ausschließlich eine naturwissenschaftliche Disziplin, die mit naturwissenschaftlichen Methoden das menschliche Erleben und Verhalten erforscht. Deshalb kann es für sie eine christliche Psychologie ebenso wenig geben wie eine christliche Physik oder Chemie.
Hier sind wir, in Übereinstimmung mit anderen Fachleuten, der Auffassung, dass jede Wissenschaft auch durch einen weltanschaulichen Rahmen geprägt ist. Dies wurde seit dem 19. Jahrhundert mit der Forderung nach einer geisteswissenschaftlichen Psychologie z.B. von Dilthey und anderen eingebracht und z.B. durch T.S. Kuhn in den 1960er Jahren selbst für die „harten“ Naturwissenschaften Physik, Chemie usw. aufgezeigt. Das grundsätzliche Bild der Wirklichkeit, die man untersuchen will, die Forschungsfragen, die man stellt und selbst die Methoden, die man anwendet, sind niemals vollkommen neutral. So finden wir im aktuellen psychologischen Forschen einerseits stark biologisch ausgerichtete Ansätze, die den Menschen z.B. aus physiologischen Abläufen gesetzmäßig erklären wollen, andererseits humanistisch ausgerichtete Ansätze, die Freiheit, Kreativität und Entfaltungsmöglichkeiten betonen, oder Forschungsprojekte, die systemische Wechselwirkungen als Kern sehen, usw. In neuerer Zeit tritt z.B. auch eine buddhistische Psychologie mit eigenen Forschungs- und Erklärungsansätzen in Erscheinung.
Noch stärker als in der universitären Psychologie wird der Zusammenhang von Menschenbild, Störungsverständnis, therapeutischen Interventionen und Zielen in Bezug auf die unterschiedlichen Psychotherapiekonzepte deutlich.
Unsere Überzeugung ist es, dass ein christliches Grundverständnis vom Menschen, das ihn als verantwortliche Person, als leib-seelische Ganzheit, als auf Beziehung und Ergänzung angelegtes Wesen sieht, ein auch an Andersdenkende zu kommunizierender, wissenschaftlich möglicher Rahmen für psychologische Forschung und Praxis ist. Und unsere Hoffnung ist, dass wir aus diesem Rahmen dem Menschen angemessene, hilfreiche Konzepte entwickeln können.
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