Glaube, Psychologie, Leben
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Corona Juni 2020…

Ausschnitte aus einem Positionspapier der IGNIS Akademie

Wenn eine Situation wie die aktuelle Pandemie auftritt, ist ein großer Teil der betroffenen Menschen verunsichert. Wir können ja weder auf Erfahrungen zurückgreifen (denn wir haben noch nichts wirklich Vergleichbares erlebt), noch können wir einfach unseren Sinneseindrücken vertrauen (der Virus ist für uns nicht sichtbar).

Leiterschaft: Umso wichtiger sind in solchen Zeiten Verantwortungsträger. Die Menschen kommen mit ihren Fragen und ihrer Verunsicherung und suchen Orientierung. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht sofort die erwünschte Orientierung bietet – hilfreich sind dann diejenigen Leiter und Ratgeber, die zugeben können: „Wir wissen vieles auch nicht, müssen auf Experten hören und ganz vielfältige Informationen und Interessen gegeneinander abwägen. Jeder von uns muss einschätzen, ob in der konkreten Situation eher Mut oder eher Vorsicht sinnvoll ist. Wir werden Fehler machen und diese rückblickend eingestehen. Auch Kritik ist uns willkommen, weil sie uns herausfordert, unser Handeln immer wieder zu überprüfen.“ Unser Verständnis von Leitung setzt ganz grundsätzlich voraus, dass ein Verantwortlicher sich in einer Krise für die ihm anvertrauten Menschen einsetzt und nicht seinen eigenen Vorteil sucht.

Information und Desinformation („Wahrheit“ und „Lüge“): In einer ungewöhnlichen und auf allen Ebenen (geistlich, biologisch, psychisch, sozial und ökonomisch) komplexen Lage gibt es keine einfachen Antworten und Anweisungen, so sehr wir uns das vielleicht wünschen würden. Wer auch immer sagt: „Man muss doch nur einfach …“ greift in einer solchen Lage zu kurz und gefährdet solche, die auf ihn hören. Natürlich gibt es besonders in Krisenzeiten diese große Sehnsucht danach, wieder Überblick und Sicherheit zu gewinnen. Dann sind alle herausgefordert, die Überblick und Sicherheit geben können, dies differenziert und ausgewogen zu tun. …

Besonders in Krisensituationen tauchen auch Verschwörungstheorien oder Erlösungsbotschaften auf. … Teils korrekte, teils verdrehte Fakten werden in unzulässiger und suggestiver Weise miteinander verknüpft und leiten zu Theorien und Verhaltens- oder Denkaufforderungen, die Menschen verunsichern, in emotionale Aufregung versetzen und / oder zu bestimmten Verhaltensweisen (z.B. bestimmten Protestformen oder Kaufverhalten) auffordern, die nicht selten den Interessen des Autors dienen.

Bescheidenheit und Verantwortung: Neben der Qualität der Information ist auch wichtig, mit welcher Haltung der Informationsgeber auftritt. Hilfreich wäre es, wenn er oder sie sich seiner Verantwortung und seiner Begrenztheit bewusst ist und die Information entsprechend formuliert und positioniert. …

Autoren, Sprecher und andere einflussnehmende Personen stehen – auch vor Gott – in der Verantwortung, dass sie gut überlegen, welche Auswirkungen ihre Botschaften haben und diese entsprechend gestalten. Ermutigt meine Botschaft andere, ihre besten Seiten zu entwickeln, sich liebevoll und verantwortlich zu verhalten oder fördert sie letztendlich Misstrauen, Angst und Ellenbogenmentalität?

Liebe und Hass: Für uns als Organisation mit einer christlichen Ausrichtung ist die Haltung gegenüber Menschen, Gott und Welt sehr zentral. Wenn wir Informationen vermitteln, ist es uns wichtig, dass die transportierte Botschaft eine der Liebe ist. Es geht dabei nicht um falsche Harmonie oder eine Tabuisierung von Kritik, sondern darum, dass die weitergegebenen Anregungen den Zuhörer inspirieren, einen Blick der Liebe auf Menschen zu entwickeln oder zu vertiefen: zu den Menschen allgemein, zu Verantwortungsträgern und zu denen, die in der jeweiligen Situation eine besondere Last zu stemmen haben (wie in der aktuellen Situation die Gesundheitsdienste, Läden, Paketboten etc.). Auch bei kritischen und kontroversen Äußerungen muss die Liebe im Vordergrund stehen und nicht ein Hass, der Personen, ganze Personengruppen oder gar Volksgruppen verunglimpft. Ausdrücklich distanzieren wir uns von antisemitischen Aussagen, die Juden als Schuldige oder Verursacher von Krisen diffamieren. Hier sehen wir uns in der geistlichen Verantwortung, uns an die Seite des jüdischen Volkes zu stellen und gegen Judenfeindlichkeit unsere Stimme zu erheben.

Seelsorgerliche Ansätze: Aus diesen Ausführungen können folgende seelsorgerliche oder beratende Hilfestellungen resultieren, um Menschen, die Mühe haben, mit schwierigen Botschaften umzugehen, zu unterstützen. Wir wollen sie in ihrer Orientierungs- und Positionsfindung begleiten und darin stärken:

  1. Infos selbst prüfen …
  2. Biblische Infos suchen …
  3. Konstruktive Beiträge zum politischen Diskurs …
  4. Gute Balance finden …
  5. Persönliche Gottesbeziehung fördern …
  6. Aufmerksamkeit gut fokussieren …
  7. Gott vertrauen …

Lesen Sie das ganze Positionspapier vom 03.06.2020 mit einer genaueren Ausführung zu den seelsorgerlichen Ansätzen >>> hier.

Friedemann Alsdorf, Monika Hess, Joachim Kristahn, Katrin Kroll, Wolfram Soldan