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Nicht-Wissen-Können…

Lass ich mir das gefallen?

In der Corona-Pandemie haben Verschwörungstheorien ebenso wie die vorgetragenen (Entwicklungs-)Analysen von Politikern und Fachleuten eines gemeinsam: Sie erklären uns – mehr oder weniger bestimmt und begründet-, was gerade vor sich geht und was zu tun sei.

Doch ich behaupte:
Kein Mensch auf dieser Erde kann bei den wichtigen pandemiebestimmenden Faktoren wirklich über gesichertes Wissen verfügen.

Ich will nur einige wichtige unvorhersehbare, unkontrollierbare Bestimmungsfaktoren nennen:

  • Wie viele Virusvarianten gibt es, wie ansteckend sind sie, wieviel schwerer sind ihre Verläufe? Wir wissen es nur ungefähr!
  • Was für Varianten werden noch auftauchen? Wir wissen es gar nicht!
  • Welche Impfungen wirken wie stark und wie lange bei welchen Varianten und welchen Personengruppen? Wir wissen es nur ungefähr!
  • Welche Langzeitnebenwirkungen werden welche Impfungen haben? Wir können es schlicht noch nicht sicher wissen!
  • Wie gravierend werden Langzeitwirkungen durch den Lockdown (wirtschaftliche Existenzbedrohungen, psychische Belastungen, Suizide, …) sein und ab wann werden sie die direkten Pandemieschäden übersteigen? Wir können es jetzt noch nicht wissen!
  • Wie sehr schädigen die coronabedingten Lebensveränderungen und die begleitenden Ängste (noch durch Verschwörungstheorien verstärkt) unser Immunsystem und verschlimmern Infektionsausbreitung und Schwere von Verläufen? Niemand kann es sicher abschätzen!
  • Ab wann führen politisch beschlossene Maßnahmen zu einem Überdruss und zur Abwehr in größeren Bevölkerungsgruppen und wirken dann zunehmend nicht mehr oder sogar kontraproduktiv? Auch das ist kaum vorhersehbar!

Die genannten und weitere Faktoren bestimmen maßgeblich das Pandemiegeschehen und lassen sich weder sicher bestimmen noch kontrollieren. Auch wenn, wie in einigen Verschwörungstheorien behauptet, die ganze Pandemie von einigen Mächtigen manipuliert würde, wären diese Mächtigen gar nicht fähig, alle wesentlichen Faktoren zu überschauen und in ihrem Sinn zu steuern.

Natürlich will ich damit nicht sagen, dass wir gar nichts wissen können und uns nicht sorgfältig informieren sollten.

Es gibt durchaus gesichertes Wissen und einigermaßen sicheres Wissen über Covid-19 und die Pandemie. Und jeder hat die Verantwortung, dieses Wissen im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Einflussbereiche zu berücksichtigen. Das ändert nur nichts an der Masse des „Nicht-(sicher)Wissbaren“.

Die Masse des „Nicht-Wissbaren“ belastet.

Es ist nur natürlich, wenn wir auf eine unübersichtliche, unkontrollierbare und doch dauernd durch menschliche Entscheidungen beeinflusste Bedrohung mit einer Mischung aus Angst, Sorgen, Niedergeschlagenheit, Gereiztheit und Ärger reagieren.
Diese Mischung führt oft zu Erschöpfung, Verwirrung aber auch zu zerstörerischen Impulsen, wenn man nicht weiß wohin mit aufgestauter ohnmächtiger Wut.

Wo finden wir Halt?

Wir haben bei IGNIS mit Emotional Logic in den letzten Jahren eine Methodik kennengelernt und trainieren sie auch, um mit solchen Gefühlen konstruktiv umzugehen (=> mehr dazu hier weiterlesen).

Gott gibt uns aber eine noch viel tiefer gehende Perspektive, um mit der bedrohlichen und unkontrollierbaren Pandemiesituation umgehen zu können.

Die Bibel gibt uns bezüglich solcher Katastrophen tatsächlich einige sichere Informationen, auf die wir uns verlassen können. Außerdem gibt sie uns klare Hinweise auf Dinge, die wir nicht wissen können und – so folgere ich – demnach aus Gottes Sicht besser auch gar nicht wissen sollten.

Endzeitliche Geburtswehen

Wenn wir die Bibel ernstnehmen, können wir ihr entnehmen, dass wir in der Endzeit leben. Dabei ist es für diesen Kontext unerheblich, wann diese Zeit begonnen hat. Die Bibel kündigt verschiedene Katastrophen an, unter anderem auch umfassende Seuchen („Pandemien“), und vergleicht die endzeitliche Entwicklung mit Wehen vor einer Geburt (also mit stärker werdenden Wellen). Gleichzeitig kündigt sie die Verbreitung der guten Nachricht von der Erlösung durch Jesus Christus über die ganze Welt an und schließlich die Wiederkunft unseres Erlösers und die Erneuerung der ganzen Welt.

Die Bibel beschreibt damit ein Weltdrama mit Katastrophen, aber auch einem Happyend. Dabei werden viele Details offengelassen und ausdrücklich gesagt, dass niemand außer dem himmlischen Vater Zeit und Stunde weiß.

Wenn ich an den Vergleich mit dem Geburtsvorgang denke, dann weiß ich aus der Erfahrung mit vier Kindern, wie gewaltig man sich verschätzen kann, was Zeitablauf und genauen Zielzeitpunkt anbetrifft. Deshalb finde ich das biblische Bild der Endzeitwehen so treffend.

Das ist gewiss …

Es ist klar, dass wir uns in so großer Unsicherheit gerne und manchmal sogar verzweifelt an Gewissheiten und Wahrheiten festhalten wollen.

„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. … Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint. (Mt 24,35f & 44, Luther 2017)

Die Bibel liefert uns tatsächlich Gewissheiten, zum Beispiel: Gottes Wort ist ewig, Himmel und Erde sind vergänglich, werden aber zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Es gibt eine alle Dinge entscheidende Endzeit, die von Katastrophen einerseits und der Verbreitung des Evangeliums andererseits geprägt ist. Sie läuft offensichtlich in sich zuspitzenden Wellen ab und endet mit der Wiederkunft Christi, dem Endgericht und der Erlösung.

… und bleibt doch offen.

Die Bibel liefert uns den großen Wurf, lässt aber viele Details offen. Und sie liefert uns eine Gewissheit über eine Ungewissheit: Der genaue Zeitplan bleibt Gott allein vorbehalten.

Wir können als Christen wohlbegründet die Corona-Pandemie als eine Wehe der Endzeit ansehen. Da wir aber nicht wissen, in welcher Wehe im Vergleich zum Gott vorbehaltenen „Geburtstermin“ wir uns befinden, sollten wir mit allen weiteren Festlegungen, z.B. welche Prophetien aus der Offenbarung des Johannes sich gerade vor unseren Augen vollziehen und wie nahe etwa eine Entrückung oder gar die Wiederkunft Christi uns jetzt ist, äußerst zurückhaltend sein und demütig erkennen: „Wir können es nicht sicher wissen!“ Dazu gehören auch die verschiedenen Katastrophenszenarios und Verschwörungstheorien: „Wir können es nicht sicher wissen!“

Ich glaube zutiefst, dass Gott uns zuerst SICH SELBST als Halt anbietet.

Ich glaube zutiefst, dass Gott uns zuerst SICH SELBST – Jesus als die Wahrheit, den Weg und das Leben, an dem wir uns festhalten sollen – anbietet. Alle anderen Wahrheiten und Gewissheiten, die die Bibel uns zusätzlich als Orientierung anbietet, sind dem nachgeordnet. Ja, Gott enthält uns sogar viele Wahrheiten und Gewissheiten vor, die er uns geben könnte.

Ich glaube, er tut dies, damit wir uns nicht an diesen Gewissheiten anstelle von Jesus selbst festhalten. Wenn solche (vermeintlichen) Gewissheiten uns emotional mehr Halt geben oder uns stärker beschäftigen als Jesus, werden sie schleichend und subtil zu Götzen und wir kommen in „Teufels Küche“, wo dauernd raffinierte Gerichte gekocht werden, komponiert aus Wahrheiten vermischt mit Lügen …

So ermutigt Jesus:

„Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,28)

Jesus redet im Kontext dieses Verses nüchtern von Endzeitkatastrophen. Wir werden aufgefordert, vertrauend nach oben zu sehen, von wo unsere Erlösung oder Befreiung sich nähert. Wir werden nicht aufgefordert, uns ausführlich und detailliert mit den Katastrophen zu beschäftigen.

„Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Auch vor diesem Vers steht ein in diesem Fall unschärfer bleibender Endzeitkontext. Ja, und wir erleben gerade, wie normal es ist, in der Welt Angst oder Bedrängnis zu haben. ER selbst – nicht unser Wissen über die Welt – hat die Welt besiegt. Und wie hat ER die Welt besiegt? Indem er sich ganz und gar – sich wehrlosmachend – in sie hineingegeben hat, für uns gestorben ist. Dabei hat er alles, was sich zwischen uns und Gott stellt („Sünde“), mit sich sterben lassen und ist uns dann in ein neues Leben vorausgegangen.

Ich möchte nicht versuchen, die Welt durch „Besserwissen“ zu überwinden,

… sondern durch Gottes erlösende Barmherzigkeit, die mir in Christus entgegenkommt und die dann durch mich durchschimmern darf.

Paulus berichtet, was Gott zu ihm gesagt hat: „Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2 Kor 12,9a)

Wir Christen müssen keine Angst vor Schwachheit haben. Dieses Wort meint im neuen Testament übrigens oft Krankheit. Also können wir auch die Angst, an Covid zu erkranken (zu „erschwachen“), Ihm anvertrauen. Mitten durch Schwachheit hindurch kann Gott sein kraftvolles Heilswerk vollenden.

Nichtwissen(können) löst in uns Menschen – gerade in unserer sicherheitsbesessenen und informationsdurchfluteten Welt – Angst, Unsicherheit, Schwäche- und Ohnmachtsgefühle aus.

Die Gefahr im Nicht-Wissen-Können

Gefahr ist, dass wir in den unvermeidlichen Ungewissheiten der Pandemie unseren Halt im vermeintlichen Wissen von Menschen suchen, seien es „Mainstreamler“ oder „Außenseiter“, Wissenschaftler oder „Propheten“. Doch dieser Halt wird uns wieder entgleiten. Wir machen das Schlimme noch schlimmer.

Die Chance im Nicht-Wissen-Können

Unsere Chance ist: Wir willigen in das „Nicht-Wissen-Können“ ein und suchen Halt in Jesus selbst und Gottes Zusagen, dass in den Endzeitwirren ein Happyend auf uns wartet.

Wenn wir erleben, wie Gott selber uns hält, können wir allen Geängstigten, Verunsicherten, aber auch allen „Scheinsicheren“ gelassener und barmherziger begegnen und sie auch zum „gottvertrauenden Nicht-Wissen-Können“ einladen.
Das entspannt in unsicheren Zeiten,
denn diese Entspannung kommt,
aus einer anderen Welt,
der alles Gute in dieser Welt entstammt,
der alles Böse in dieser Welt nichts anhaben kann
und die am Ende diese Welt verwandeln wird
in jene andere göttliche Welt hinein.

Wolfram Soldan