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Gegensätze schließen sich nicht aus

Befreit als Christ leben – und sich an Gesetze halten. Ruhe vom turbulenten Alltag finden – und aktiv Gemeindeleben gestalten… Bei der IGNIS Jahrestagung letzte Woche ermutigte Johannes Stockmayer: Lasst euch durch solch gegensätzliche Bedürfnisse in der Gemeinde nicht auseinanderbringen. Eine gesunde Gemeinde hat dafür Raum.

Von vielen IGNIS Themen kennen wir, wie hilfreich es ist, für ein gesundes Leben in Polaritäten zu denken, z.B.: Fürsorgen und Loslassen können für einen gesunden Umgang mit Sorgen – wenn wir nur die Fürsorge im Blick haben, können wir uns und andere mit unserem Sorgen blockieren, wenn wir nur loslassen, können wir Wichtiges vernachlässigen. Oder: Sich Durchsetzen und Nachgeben können für eine gesunde Art, in dieser Welt und in Beziehungen aktiv zu sein – wenn wir nur darauf achten, uns durchzusetzen, können wir rücksichtslos werden, wenn wir nur nachgeben, können wir unseren eigenen Standpunkt, unsere Werte (und unsere Selbstachtung) verlieren.

Die Lösung aus Gegensätzen ist also nicht, sie aufzuheben, indem nur ein Pol der richtige, erlaubte, gute sein darf, auch nicht, sie in einem scheinbaren „goldenen Mittelweg“ einzuebnen, sondern ein Plus dazwischen zu setzen. Dann wird echte Lebendigkeit möglich.

Und das Plus erinnert uns, woher die Kraft dazu kommt: Jesus befreit uns dazu!

Wir sind befreit und werden befreit – auch diesen scheinbaren Gegensatz dürfen wir schätzen. Sein und Werden gehören zum Leben, zum Christsein, zum Miteinander in der Gemeinde, auch darauf hat uns Johannes Stockmayer hingewiesen.

Mich persönlich erleichtert diese Perspektive ungemein, den Raum zwischen Polen als gesundes Spannungsfeld zu sehen, in dem ich leben kann – auch wenn das Zusammensein mit denjenigen, für die gerade ein Pol besonders wichtig ist, der mir aktuell gar nicht passt, durchaus zur weniger angenehmen Spannung werden kann. Aber: Ich glaube, beim Segeln ist Gegenwind besser als komplette Windstille – für mich wahrscheinlich auch.

Agnes May

1 Kommentar

  1. Das ist toll formuliert: “Ich glaube, beim Segeln ist Gegenwind besser als komplette Windstille.”
    Danke

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